Wie gelangt ein Finnwal ins Museum?
Vom Ausnahmefund zum Herzstück des Museums: Das Deutsche Meeresmuseum blickt zurück auf die 200-jährige Geschichte des Finnwalskeletts.
Es war die Sensation in der ländlichen Region nahe des Ortes Lieschow auf der Halbinsel Ummanz, als am 8. April 1825 ein junger männlicher Finnwal strandete. Der fast zehn Tonnen schwere Kadaver gelangte über den Wasserweg zunächst nach Stralsund und anschließend weiter nach Greifswald. Wissenschaftler der Universität Greifswald untersuchten und skelettierten das verstorbene Tier. Anschließend fand das Skelett seinen Platz am Zoologischen Institut und Museum der Universität.
Eine vollständige Entfettung der Knochen war damals noch nicht möglich: Berichten zufolge tropfte es dem Leiter des Instituts daher Jahre lang auf den Schreibtisch, sodass er es 1968 schließlich dem Deutschen Meeresmuseum übergab.
Überarbeitet, vollständig entfettet und neu montiert hat das Finnwalskelett 1974 seinen Platz im Chor der Katharinenhalle eingenommen und ist seither eines der Herzstücke im MEERESMUSEUM.
Die Historie dieses besonderen Sammlungsobjekts zeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und museale Vermittlungstechniken sich ständig weiterentwickeln. Ergänzt um so manche Anekdote, ist die Geschichte des vor 200 Jahren gestrandeten Finnwals wohl noch lange nicht auserzählt.
„Einen Walfisch, das größte Thier (…) nicht nur dieser Ordnung, ungeachtet die meisten riesenartigen Geschöpfe in derselben vorkommen, sondern ( ) der ganzen jetzigen Thierwelt überhaupt, an unsern deutschen Küsten zu finden, wo der Forscher Gelegenheit bekommt, einen solchen Riesen der Schöpfung in natura zu sehen, kann nur in langen Zeiträumen und auch da nur selten geschehen.“1
„Die Rückenfinne bezeugte, dass das Thier ein Finnfisch (Balaenoptera La Cep.); ihre Form bestätigte unsere Vermuthung, dass es Balaenoptera rostrata Var. Maj. La C. gewiss sei und die Genitalien, daß es ein männliches lndividuum war.“2
„Das Skelett dieses großen Finnwalfisches ist bereits schon lange eine Zierte und ein wissenschaftlicher Schatz des schönen zootomischen Museums der Universität Greifswald, bei welchem lnstitute auch noch viele andere Fleisch- und Gefäßpräparate von diesem seltenen Thiere aufbewahrt werden.“3
1, 2SCHILLING, W. (1859): Hand- und Lehrbuch für angehende Naturforscher und Naturaliensammler. Weimar.
3BURMEISTER, Hermann (1881): Erläuterungen zur Fauna Argentiniens", l. Lieferung ,,Die Bartenwale der Argentinischen Küsten".